Ein kurzer geschichtlicher Überblick:
Teil 6 - Die sprachliche Abstammung
Interessant ist die Entwicklung des Begriffes "deutsch". Es hat seinen Ursprung im altgermanischen "theudisk" und wurde als lat "theodiscum" als Bezeichung fuer die Sprache der germanischen Völker in Gallien gebraucht. Später ging es auf alle germanischen Völker im Frankenreich über, also auch auf die Sachsen, Friesen, Baiern, Alemannen und Thüringer. Es bedeutet nichts anderes als "volkstümlich", "Sprache des Volkes". Erstes Sprachdenkmal waren die -> Straßburger Eide. Über das althochdeutsche "diutisk" (engl. Dutch, nord. tysk, ital.tedesco, span. tudesco) entwickelte es sich zum neuhochdeutschen Begriff "deutsch".
Sprachlich und stammesgeschichtlich gehört das Fränkische nach wie vor zu den größten westgermanischen Sprachgruppen und schließt das Niederländische (Holland, Flandern), das Rhein- und Moselfränkische (Rheinland, Pfalz, Luxemburg, Saarland, Lothringen; Hessen, nördliches Baden-Württemberg außer der Tauberregion), Westfälische und Ost-(auch Main-)fränkische im Raum Bamberg - Nürnberg - Würzburg und Südthüringen mit ein.
Als Landschaftsbezeichnung hat sich der Name Franken jedoch nur im in Ostfranken (Main-Regnitz-Gebiet) erhalten. Diese Region wurde - wie schon erwähnt - als letzte fränkisch besiedelt (ab Chlodwig).
Im heutigen Franken sind Spuren alt- und jungsteinzeitlicher Besiedelung ebenso vorhanden wie bronze- und eisenzeitliche Funde. Als erstes Volk sind die Kelten namentlich nachweisbar. Ortsnamen auf -ach (= Wasser, germ. bach, lat. aqua) wie in Rodach, Schwarzach oder Volkach weisen darauf hin. Der fränkische Hauptfluss Main ist ebenfalls "Kelte" (dt.: Schlange -> mäandern). Ein weiteres Indiz sind Ortsnamen auf -hall (= Salz), wie Hallstadt oder Schwäbisch Hall. Die Kelten wurden ab dem 1. vorchristlichen Jahrhundert von den Germanen aus Richtung Norden und den Römern von Süden her verdrängt oder assimiliert. Zeugen ihres Rückzugskampfes sind viele Reste von Fliehburgen wie auf dem "Walberla" bei Frochheim, dem Würzburger Marienberg, der "Houbirg" bei Hersbruck u. a. Auch der Name Nürnberg ist keltischen Ursprungs und bedeutet "Felsenberg".
Die Römer selbst drangen nur in die Randgebiete des heutigen Ostfranken vor. Entlang des Limes entstanden Militärlager wie das Auxiliarkastell "Biriciani" (heute Weissenburg). Der Limes wurde dort um 250 von den Alemannen durchbrochen, Biriciani zerstoert, wieder aufgebaut und nach einem weiteren Alemanneneinfall endgueltig aufgegeben. Von den Alemannen rühren die Ortsnamen auf -ingen (= Siedlung) her, z. B. Bad Kissingen, Kitzingen, oder Treuchtlingen. Nach den Alemannen siedelten noch die Thüringer im Gebiet zwischen Main und Donau. Neben den bekannten "fränkischen" Wurstsorten hinterließen sie u.a. Siedlungen auf -leben, z. B. Essleben bei Würzburg.
Das Thüringerreich wurde von den mainaufwärts ziehenden Franken erobert, welche das Land bis heute sprachlich und kulturell prägen. Aus der Frühzeit der (-->) Merowinigschen Landnahme stammen die vielen Ortsnamen auf -bach, -dorf, -feld und -heim wie in Dachsbach, Erlbach, Baiersdorf, Henfenfeld, Scheinfeld, Ostheim, Forchheim.
Während der Schwäche der merowingischen Könige konnten slawische Siedler bis in den Steigerwald und die Frankenhöhe "einsickern". Namen mit "wind" (v.den Wenden = Fremden) oder "itz" deuten noch darauf hin: Windsheim, Geiselwind, Windsbach, Selbitz, Teuschnitz; Woernitz, Pegnitz, Regnitz, Itz.
Die fränkischen Könige ließen überall "Königshöfe" errichten (die späteren Sachsen- und Salierkaiser führten dies fort). Diese Königshöfe dienten als Aufenthaltsort bei Reisen und waren gleichzeitig Gerichtstätten sowie die Orte, an denen Steuern und Abgaben entrichtet werden mussten. Solche Königshöfe waren u. a. Windsheim, (Neustadt/Aisch-)Riedfeld, Rosstal, Forchheim, Fürth, (Nürnberg-) Mögeldorf, um nur einige zu nennen.