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Die Franken werden Bayern wohl nie lieben


ERLANGEN/MILTENBERG
 
Die Franken werden Bayern wohl nie lieben
Erlanger Professor sieht noch großen Graben
 
Die Franken sind nach Ansicht eines Historikers noch weit von einer Identifikation mit Bayern entfernt. „Das wird noch lange dauern“, sagte Prof. Wolfgang Wüst vom Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte der Universität Erlangen. Der Fränkische Bund hatte Mitte der Woche die Abspaltung Frankens von Bayern gefordert.
 
„Die Eigenständigkeit ist nach wie vor da und wird verteidigt“, sagte Wüst gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Zwar sei es seit dem 19. Jahrhundert politisch, rechtlich und zum großen Teil auch wirtschaftlich gelungen, Franken und Bayern zu vereinen. Menschlich hingegen gebe es noch tiefe Wunden, sagte Wüst anlässlich des „Tags der Franken“ am Sonntag (6. Juli) in Miltenberg.

„Man liebt sich nicht, aber man kooperiert miteinander“, erläuterte der Historiker. „Wo es den Leuten gut geht, ist man eher ein guter Bayer als dort, wo die Not auf den Alltag drückt.“ Insbesondere in den fränkischen Erfolgsregionen wie Nürnberg, Erlangen und entlang des Mains seien die Menschen den Bayern wohlgesonnener als beispielsweise in strukturschwachen Gebieten wie an der Grenze zur ehemaligen DDR.

Aber nicht nur mit den Bayern haben die Franken so manches Problem. Auch untereinander seien sich viele nicht grün. „Wenn wir die Probleme der Integration ins “neue Bayern“ historisch betrachten, gab es auch in Franken noch nie ein einheitliches Volksbewusstsein“, erklärte Wüst. Vielmehr sei Franken ein Gebiet, das sich als Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus vielen verschiedenen Territorien zusammensetze.

„Die Franken in Würzburg, Bamberg, Nürnberg, Ansbach und Bayreuth lebten früher in parallelen Gesellschaften.“ Auch heute zögen sie oft nur an einem Strang, „wenn es gilt, in München bei der Landesregierung Stärke zu zeigen“. Durch die Gründung des Fränkischen Reichskreises im Jahr 1500 sei die Region nur durch eine „lockere Klammer“ zusammengehalten worden.

In den Jahren 1803 bis 1816 habe die fränkische Unabhängigkeit allerdings mit der Einverleibung durch die Bayern ihr Ende gefunden. Die Menschen hätten die anschließend „überhasteten Zentralisierungsmaßnahmen“ mit der Verdrängung des fränkischen Brauchtums als elende Zeiten empfunden, was sich bis heute fortsetze, sagte der Historiker. „Es gibt nach wie vor große Mentalitätsunterschiede.“

Hinzu kämen Konfessionsprobleme, da die Bayern eher katholisch, die Franken dagegen vermehrt evangelisch geprägt seien. Dies spiegele sich auch im Heiratsverhalten wider. „Es ist messbar, dass die fränkisch- bayerischen Ehen deutlich geringer sind als die innerbayerischen oder innerfränkischen“, sagte Wüst.

 

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